Das Problem: Gefälschte ("Counterfeit") Teile

In der Elektronikindustrie stellen gefälschte und wiederaufbereitete Teile leider ein anhaltendes Risiko für die Lieferkette dar, insbesondere beim Einkauf außerhalb der üblichen Vertriebskanäle. Die am häufigsten gefälschten Teile sind analoge ICs (integrierte Schaltungen), Mikroprozessoren, Speicher-ICs, programmierbare Logik-ICs und Transistoren.

Teile, die veraltet, teuer oder Mangelware sind, sind besonders anfällig für Fälschungen. Gefälschte Teile stellen nicht nur eine Verletzung des geistigen Eigentums des Herstellers dar, sondern funktionieren möglicherweise auch nicht richtig oder gar nicht, was die Funktionen und sogar die Sicherheit des Endprodukts gefährdet, in das sie eingebaut werden.

Aufgrund kurzer Lebenszyklen der Unterhaltungselektronik werden viele Geräte innerhalb weniger Jahre verschrottet. Dies hat einen Markt für wiederaufbereitete Teile eröffnet, definiert als elektronische Komponenten, die von bereits zusammengesetzten Leiterplatten entfernt, gereinigt und dann als neu und original verkauft werden.

OEMs und EMS-Unternehmen haben darauf reagiert, indem sie Programme zur Verhinderung von Fälschungen eingeführt und neue Testmethoden und Standards zur Erkennung von gefälschten Teilen entwickelt haben. Das Problem bleibt jedoch bestehen.

Prüfliste für elektronische Komponenten

Wenn Sie elektronische Komponenten außerhalb Ihrer normalen Lieferkette kaufen, sollten Sie bei der vorläufigen Sichtprüfung die folgenden wichtigen Richtlinien beachten:

Erster Eindruck

  1. Sind die Teile sauber, frei von Kratzern, Schleifmitteln, Haarrissen oder Schmutz?
  2. Ist die Verpackung in gutem Zustand, frei von Dellen, Schnitten, Auswölbungen, Rissen oder sonstigen Beschädigungen?
  3. Ist die Verpackung selbst verfärbt, was auf unsachgemäße Lagerung oder veraltete Etiketten hinweist?

Verpackung von elektronischen Teilen

  1. Bei Komponenten, die besonders anfällig für ESD sind (Halbleiter wie IC, Speicher, Transistoren, Dioden usw.): Wurden die Teile in einer ESD-konformen Verpackung geliefert?
  2. Stimmen die Verpackungsinformationen des Herstellers oder Lieferanten (z. B. Etiketten, Rollen, Schachteln) mit der Teilenummer der Komponente überein?
  3. Sind die Teile einheitlich verpackt? Ist die Verpackung herstellertypisch oder scheint sie von einem Dritten zu stammen?
  4. Sind die Siegel auf der Verpackung Originalsiegel? Wurden die Siegel auf der Verpackung aufgebrochen und wieder versiegelt?
  5. Stimmt das Siegeldatum auf der Verpackung mit dem Datumscode überein? (Das Siegeldatum darf nur am gleichen oder nach dem Code für das Datum liegen.)
  6. Stimmen die Fabrikcodes oder Herkunftsländer mit den öffentlich zugänglichen Informationen des Herstellers überein (Produktänderungsmeldungen usw.)?
  7. Ist der Datumscode der Herstellung logisch? (z. B. kann ein Teil, das 2013 eingestellt wurde, keinen Datumscode von 2017 haben.)

Sichtprüfung der physischen Eigenschaften elektronischer Teile

  1. Hat das Teil die richtigen Abmessungen und/oder die richtige Anzahl von Pins, wie im Datenblatt des Herstellers angegeben?
  2. Sind Produktinformationen wie Teilenummer, Datumscode, Chargencode und Herkunftsland oben und unten auf der Komponente identisch?
  3. Sehen die Oberflächen und Kanten der Teile oben und unten gleich aus? (Andernfalls wurden die Teile möglicherweise geändert oder lackiert. Hier ist möglicherweise eine mikroskopische Untersuchung erforderlich.)
  4. Stimmen das Logo und/oder die Markierungen des Herstellers auf der Verpackung und/oder dem Teil selbst mit dem Firmendesign des Herstellers überein?
  5. Haben alle Teile einheitliche Teilemarkierungen? (Markierungen, die in Farbe, Schriftart oder Struktur nicht einheitlich sind, wurden möglicherweise geändert)
  6. Sind Leitungen und/oder Pins verfärbt oder oxidiert? Ist an Leitungen und/oder Pins überschüssiges Metall vorhanden? (Pins, die sehr glänzend aussehen, wurden möglicherweise neu verzinnt)
  7. Befindet sich bei entsprechend gekennzeichneten Bauteilen die „Pin 1“-Markierung bei allen Exemplaren auf der gleichen Position?
  8. Wenn das Teil einen Formhohlraum hat, muss es sauber und glatt aussehen (andernfalls wurde dessen Oberfläche möglicherweise nachbearbeitet, aufgefüllt oder neu beschichtet)

Über die in dieser Checkliste beschriebene Sichtprüfung hinaus können Teile auch mithilfe von Röntgen- oder Strahlenfrequenzprüfungen, Einbrenntests, Entkapselung, akustischer Rastermikroskopie, Acetonprüfung oder Parametertests geprüft werden. Zusätzlich zu diesen Maßnahmen können Teile auf ihre elektrische Funktion oder Lötbarkeit geprüft werden, um Fälschungen vorzubeugen.

Sie können und sollten Ihre Lieferanten fragen, nach welchen Protokollen sie ihre Komponenten prüfen und sicherstellen, dass gefälschte Teile nicht in ihre Lieferkette gelangen.